Erasmus & Europa

Cultural Integration Through Performing Arts Activities

Sing Your Music, Dance Your Culture, Support Cultural Integration – Athen Dez. 2019

 

Cultural Integration Through Performing Arts Activities – Sept. 2019

Das Erasmus + Programm „Sing Your Music, Dance Your Culture, Support Cultural Integration“ fand vom 09. Dezember bis 21. Dezember 2019 in Athen statt. Dieses Programm wurde von projekt-il (Deutschland) und der Ichodrama Cultural Group (Griechenland) organisiert vom Erasmus + Programm der Europäischen Union über Jugend für Europa, die nationale Agentur für die Erasmus + Jugendabteilung in Deutschland gefördert. Dreißig Tänzer, Musiker, Schauspieler und Performancekünstler mit Sitz in Deutschland, Frankreich und Griechenland nahmen an diesem Projekt teil. Um die kulturelle Integration durch den gemeinsamen Austausch von Methoden, Ideen und Visionen zu fördern, wurden verschiedene kleine Kunst-Projekte entwickelt und in einer großen Bühnenperformance zusammengeführt.

The Erasmus + program “Sing Your Music, Dance Your Culture, Support Cultural Integration” took place in Athens from December 9th to December 21st, 2019. This program was funded by projekt-il (Germany) and the Ichodrama Cultural Group (Greece), organized by the European Union’s Erasmus + Program on Youth for Europe, the national agency for the Erasmus + Youth Department in Germany. Thirty dancers, musicians, actors and performance artists based in Germany, France and Greece participated in this project. In order to promote cultural integration through the mutual exchange of methods, ideas and visions, various small art projects were developed and brought together in a large stage performance.

 

Das Erasmus + Programm „Cultural Integration Through Performing Arts Activities“ fand vom 25. August bis 8. September 2019 in Skiathos statt. Es wurde von den Kulturorganisationen projekt-il (Deutschland), der Ichodrama Cultural Group (Griechenland) und der Association Compagnie Noura (Frankreich) organisiert. Es wurde vom Erasmus + Programm der Europäischen Union über Jugend für Europa, die nationale Agentur für die Erasmus + Jugendabteilung in Deutschland gefördert. Vierzig Tanz-, Musik- und Theaterlehrer mit Sitz in Deutschland, Frankreich und Griechenland nahmen an diesem Forschungsprojekt teil, um die kulturelle Integration von ausgegrenzten Menschen, sowie Einwanderern und Flüchtlingen, durch nonverbale darstellende Kunst zu fördern.

The Erasmus + program entitled “Cultural Integration Through Performing Arts Activities” took place in Skiathos from August 25. to September 8., 2019. It was organized by the cultural organizations projekt-il (Germany), the Ichodrama Cultural Group (Greece) and the Association Compagnie Noura (France). It was funded by the European Union’s Erasmus + Program on Youth for Europe, the national agency for the Erasmus + youth department in Germany. Forty dance, music and theater teachers based in Germany, France and Greece participated in this research project to promote the cultural integration of marginalized people, as well as immigrants and refugees, through non-verbal performing arts.

Το πρόγραμμα Erasmus+ με τίτλο “Cultural Integration Through Performing Arts Activities” υλοποιήθηκε με επιτυχία στη Σκιάθο από 25 Αυγούστου έως 8 Σεπτεμβρίου 2019. Διοργανώθηκε από τους πολιτιστικούς οργανισμούς Projekt-il (Γερμανία), Πολιτιστική Ομάδα Ηχόδραμα (Ελλάδα) και Association Compagnie Noura (Γαλλία). Συγχρηματοδοτήθηκε από το πρόγραμμα Erasmus+ της Ευρωπαϊκής Ένωσης μέσω του Jugend für Europa, την εθνική υπηρεσία για το Τμήμα Νεολαίας του Erasmus+ στην Γερμανία. Σαράντα (40) δάσκαλοι χορού, μουσικής και θεάτρου με έδρα τη Γερμανία, τη Γαλλία και την Ελλάδα, συμμετείχαν σε ένα ερευνητικό πρότζεκτ με θέμα τη διευκόλυνση της πολιτιστικής ενσωμάτωσης περιθωριοποιημένων ατόμων, συμπεριλαμβανομένων μεταναστών και προσφύγων, εφαρμόζοντας δραστηριότητες παραστατικών τεχνών σαν μέσο μη τυπικής μάθησης.

Skiathos 2017

Ein Blick – Andere Geschichten

Interkultur & Kunst

Ein Blick – andere Geschichten

Am 18.11.2019 um 19:00 Uhr im Café Eden Düsseldorf, Münsterstrasse 446. Eine Arbeit von projekt-il, inspiriert von der Wanderausstellung “Facettenreich – Andere Geschichten” der Szenographin Sonja Koch.

Dieses Projekt wurde gefördert vom NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste.

Künstlerische Leitung: Alexander Steindorf

“Ein Blick – andere Geschichten“ widmet sich Phantasien und Realitäten, die ein “Blick“ in jedem von uns auslösen oder zeigen kann und ist eine poetische Momentaufnahme über die Aussichten und Bewegungen in unserer Gegenwart. Musiker*innen, Tänzer*innen, Schauspieler*innen sowie Bürger*innen der Stadt Düsseldorf aus Syrien, Deutschland, Ägypten und der Türkei präsentieren in vielfältiger Form ihre Annahmen über alles, was ein Blick in unsere Stadt, in diesem Land und in unsere Zeit sichtbar macht. Alltägliche Träumereien begegnen sowohl politischen Haltungen und poetischen Einsichten als auch den Blicken der bildenden Künstlerin Sonja Koch, welche diese in ihren mobilen Ausstellung “Andere Geschichten“ auf die Schicksale geflüchteter Menschen in unserer Gesellschaft wirft.

Der Abend bietet in der Form einer Führung innerhalb des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf überraschende sprachliche sowie visuelle Blickrichtungen, die man vom Hier und Jetzt aus gesehen haben kann. So wird alltäglicher “Einblick“, ein philosophischer “Durchblick“, ein poetischer “Anblick“, ein musiklascher “Rückblick“ oder ein tänzerischer “Augenblick“ zur Erinnerung, zum Wimpernschlag, zur Erkenntnis oder zur Perspektive in unserer Zeit und damit zu einem vielfarbigen Gefäß unserer Gegenwart.

Mit Amy Frega (Gesang), Michael Hess (Tanz), Jakob Wagner (Gitarre), Alexander Steindorf (Einrichtung und Sprecher) sowie Rami Lazkani (Sprecher und interkultureller Guide) sowie als Gast: Muzzafer Gürenc (Gesang und Baglama) und Hanny Kayali (Performer).

Facettenreich – Andere Geschichten – Wanderausstellung zum Thema Diskriminierung in Düsseldorf

Die Wanderausstellung «Facettenreich – andere Geschichten» leistet einen Beitrag zur Sensibilisierung in der Rassismus- und Diskriminationsthematik und fördert

die Auseinandersetzung mit dem Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen.

Zehn zylinderförmige Guckkästen zeigen farbenfrohe Bildgeschichten. Sie bieten Einblick in individuelle und doch exemplarische

Diskriminierungserfahrungen unterschiedlicher Menschen. Konzept, Entwicklung und Umsetzung der Ausstellung stammen von der Szenografin Sonja Koch.

Eine Kooperation von projekt-il und Facettenreich – Andere Geschichten

Performance am 15.07.2019 / 16:00 Uhr auf dem Campus Derendorf, Münsterstr.156, Düsseldorf

Recherche / Performance am 18.07.2019 ab 11:00 Uhr, auf dem Campus Derendorf, Münsterstr.156, Düsseldorf

Performance am 15.07.2019 / 17:00 Uhr auf dem Campus Derendorf, Münsterstr.156, Düsseldorf

www.facettenreich.world

Szenische Aufführung “Ein Blick – Andere Geschichten” im Café Eden, Münsterstr. 446, Düsseldorf

 

Textbeispiel “Ein Blick-Andere Geschichten”

Die alte Frau aus Dresden (Rami Lazkani)

Ich habe mal eine Frau kennen gelernt, die hatte keine Wahl. Es war in meinem zweiten Jahr in Deutschland. Ich bin mit dem Zug nach Hamburg gefahren. Eine Frau fragte mich, ob der Platz neben mir noch frei ist. Sie war sehr alt und redete viel. (Es war … und redete viel – wiederholen auf Arabisch). Als wir den Bahnhof in Hannover verließen, erzählte sie mir, wie sie schon einmal von Dresden nach Hamburg gefahren ist. Mit ihrem Baby, was gerade ein paar Tage alt war. In einem sehr kalten Winter 1945. Die alte Frau erzählte, dass der ganze Bahnhof in Dresden voller Menschen war, die fliehen wollten. Sie saß im Bahnhof in Dresden und gab ihrem Baby die Brust. Es war kalt. Eine andere Frau ohne Mütze und Schal fragte, ob sie ihrem Kind auch die Brust geben würde. Es hätte zwei Tage nicht gegessen. Die Frau überlegte. Ein Gedanke, noch ein Gedanke, noch ein anderer Gedanke, Gedanken, Gedanken, Gedanken. Und dann sagte sie: „Nein. Ich kann nicht! Es tut mir leid, aber ich habe nur genug Milch für mein Kind.“ Als sie später in Hamburg ankam, sah sie die Frau ohne Mütze und Schal mit ihrem toten Kind auf dem Arm. ( Als sie … –wiederholen auf arabisch)

 

Es gibt Augenblicke (Sulaiman Sohrab Salem) Vortrag Hanny Kayali

Es gibt Augenblicke,

da denke ich,

die Erde dreht sich,

Menschen tanzen, heiraten, leben.

Es gibt Augenblicke,

da denke ich,

die Menschen gehen im Kreis,

schreien sich an und töten sich gegenseitig. 

Wir hatten ein ruhiges Leben,

bis wir attackiert wurden.

Wir haben unsere Häuser verlassen

ohne Sachen, wir haben nichts mitgenommen.

Es gab wenig Geld. Nichts.

Wir wussten nicht was wir essen sollten,

einmal haben wir einen Fernseher verkauft,

um eine Flasche Öl zu kaufen.

Dann kam das nächste Regime,

es gab keinen Krieg mehr aber das furchtbare Leben hatte begonnen.

Keine Kultur, keine Kunst, keine Schule,

Keine Raketen aber Strafen und hundert andere Probleme.

Dann kamen die Selbstmordanschläge,

die Menschen sind dadurch wild und unruhig geworden.

Warum das alles? Wir waren unschuldig.

Nicht für oder gegen eine Partei – einfach nur Menschen.

Und doch wird es immer ein Leben geben,

in diesen Orten,

die Menschen werden einkaufen,

sie werden ins Kino gehen, ins Theater, heiraten.

Der Krieg ist Unsinn.

Er bringt sehr viel Angst.

Angst, jemanden zu verlieren.

Angst vor der Zukunft.

Einige von euch haben auch Angst vor Krieg,

dass eure Kultur Kratzer kriegt,

dass ihr fremde Sprachen lernen müsst

Ihr habt Angst den Überblick zu verlieren,

dass eine neue Kultur in Eure Familien kommt,

dass alles unsicher ist.

Ein bisschen Angst ist wichtig im Leben, um weiterzuleben.

Aber wenn die Angst zu viel wird, ruiniert sie das Leben.

ALLE Menschen haben Angst, ihre Sicherheit zu verlieren

und ALLE Menschen haben Angst um ihre Freiheit.

Und dass ist das Problem, sie müssen auf beide aufpassen,

geht eins von beiden kaputt,

geht alles Leben kaputt.

 

aus “Schizophrenie*” (Ghayath Almadhoun) / Alexander/ Rami (Bühne):

… Der Weg nach Damaskus ist voller Erinnerungen. Ich bin erschöpft, seit das Flüchtlingslager mich mit der Trockenmilch der Vereinten Nationen stillte und mir ein Flüchtlingsleben aufbürdete. Der Weg nach Damaskus, das ich im Jahr 2008 verließ, reizt mich nicht mehr. Nachdem ich von der Freiheit gekostet habe, kann ich mich nicht mehr hinter der Metapher verstecken, um mich vor den Spitzeln zu retten.
Der Weg nach Ypern ist mit Leichen asphaltiert, und ich bin erschöpft, seit mich meine Cousins ermordeten und mich den Vögeln zum Fraß überließen.
Der Weg nach Stockholm ist wegen erhöhten Schneeaufkommens geschlossen.
Der Weg in den Krieg ist ruhig. Es gibt eine kleine Raststätte, an der jene absteigen, die auf dem Weg zum Massaker sind. Sie ruhen sich ein wenig aus, versorgen sich mit Wasser, trinken Tee und sprechen über die Gründe des systematischen Todes. Am nächsten Morgen setzen sie ihren Weg fort, um mithilfe von Patronenkugeln zu diskutieren, und ich bleibe zwischen den Widersprüchen hängen, ich, der Zeuge, der zu spät kam, und der Tote, der nicht ankam, der Mörder und der Getötete, der Verbrecher und das Opfer. Ich, der rote Indianer, der blaue Indianer, der grüne Indianer. Der schwarze Palästinenser. Dieser Krieg braucht ein Gedicht, damit die Metapher nicht tot geboren wird, damit der Tod nicht schwer wiegt wie eine Kanone aus Bronze, die auf der Geschichte lastet. Der Tod kann mir keine Heimat schenken, und wenn er es täte, so wollte ich sie nicht. Ypern war ein Albtraum, der vor hundert Jahren ein Ende fand, und Damaskus ist ein Albtraum, der jetzt stattfindet, und ich hänge in Stockholm fest. Die Gedichte, die ich in Damaskus schrieb, wurden von den Soldaten ermordet, und die Gedichte, die ich in Ypern geschrieben habe, sind nicht mit mir ins Flugzeug gestiegen, und die Gedichte, die mit mir in Stockholm wohnen, leiden unter einem gehörigen Mangel an Vitamin D.
Ypern: Der Krieg ist hinter der Tür.
Damaskus: Um drei Uhr morgens fallen Raketen mit Saringas auf einige dicht bevölkerte Vororte von Damaskus.

 

Endlich vorwärts (Ulrich Steinhaus)

Schaut nicht zurück!

Schaut nie zurück!

Blickt nach vorn

und dreht euch nicht um!

So sprach unsere Mutter.

Sie hatte Angst,

zur Salzsäule zu erstarren.

Der Vater schwieg.

Meine Mutter zwang uns,

immer vorwärts zu gehen,

weg von dem Meer des Schmerzes,

dem unfassbaren Entsetzen.

Und wir gingen,

Schritt um Schritt,

gleichgültig wie Maschinen.

Wir haben es nicht verstanden.

Meine Mutter sah nie zurück, nie,

und wurde hart,

so wurde sie zu einer Salzsäule,

die neben uns im Regen verging.

Und der Vater schwieg.

Er hatte seine Sprache verloren,

stand für immer im Treibsand

und versuchte nur noch das Gleichgewicht zu halten.

Eine erstarrte vergehende Frau,

und ein stummer schwankender Mann.

Sie wollte das Unbeschreibliche nicht sehen

und er taumelte schweigend neben ihr her.

Und wir?

Wir gingen vorwärts,

wie die Mutter es wollte,

lustlos, müde und verschlossen.

Wir empfanden nichts,

wussten nicht wer wir waren,

was wir wollten,

gestrandete ohne Anker.

Also beschlossen wir zurück zu blicken,

sahen das Unfassbare, das Unbeschreibliche,

strauchelten, schwankten

und traten in eine Welt aus Leid und Hass.

Eine kalte Leere griff nach uns,

riss an unseren Seelen,

fraß fasst alle Träume auf,

und nahm von einigen die Herzen mit.  

Verwirrt stolperten wir umher

und weit, weit dort hinten,

standen die Eltern,

schweigsam und ruhig.

Und wir konnten es verstehen,

langsam zu ihnen gehen,

mit ihnen sprechen

und ihnen in die Augen sehen.

Wir wussten jetzt woher wir kamen

und konnten, wenn wir wollten,

gemeinsam ein Stück gehen

oder schweigend irgendwo sitzen.

Wir hatten wieder ein zu Hause.

Wir hatten uns

und das, was wir sehen mussten.

Wir konnten endlich vorwärts gehen.

 

The dream of a monster: Frankenstein.

– szenischer Diskurs.

The dream of a monster: Frankenstein.

Zukunftsvision, Schauergeschichte, Roadmovie – er fasziniert und verstört… Wahnsinn oder Wunder der Wissenschaft – „The dream of a monster. Frankenstein“ rankt sich aus der romantischen Horrorgeschichte von Mary Shelley bis in unsere Zeit hinein. Die Gruppe „projekt-il“ aus Düsseldorf arbeitet sich mit Sprache, Bild und Gesang durch den ewigen Traum hindurch, den eigenen Tod zu überwinden. Um Frankensteins Monster, wieder zum Leben zu erwecken wird gespielt, getanzt, gezeichnet, musiziert und diskutiert. Schöpfer und Geschöpf stehen sich unerbittlich gegenüber – mit den noch immer gleichen Fragen an die jeweils andere Moral. Warum das alles? Wer ist das Monster und wer handelt menschlich? Dürfen „Monster“ leben und lieben? In einer Zeit selbstständig handelnder Maschinen und „intelligenter“ Technik steht auch der Mensch vor seinen Schöpfungen und muss sich die Frage nach der eigenen Moral gefallen lassen. Die Gruppe „projekt-il“ erzählt mit Lust und Splatter den Roman von Mary Shelley und nimmt sich mit Ernsthaftigkeit der oben genannten Fragen an.  

Schauspiel: Bianca Künzel, Alexander Steindorf / Musik: Johan Leenders / Live Illustration: Max Fiedler / Dramaturgie: Dorle Trachternach

Who’s where –

Gedanken vor dem nächsten Schritt.

Who’s where – eine poetische Reise in türkischer,- arabischer,- persischer,- vietnamesischer und deutscher Sprache über Gedanken vor dem nächsten Schritt und über das Warten.

Abend I – WARTEN

Jeden Tag auf der Welt gehen Menschen den “nächsten Schritt“ – über Grenzen, Türschwellen, zu Fremden hinüber, in die Freiheit oder in Gefangenschaft. Überall stehen Menschen vor dem nächsten Sprung, warten irgendwo auf den Bus, auf den Tod oder auf ein neues Leben.

… Während ich warte, geht mir durch den Kopf, was alles passiert sein könnte …                           … Wer behauptet, er wisse den übernächsten Schritt, lügt. So einem ist auf jeden Fall mit Vorsicht zu begegnen…

Cafè Eden – Junges Schauspielhaus Düsseldorf -Münsterstrasse 446 – 28.05.2018 – 19:00 Uhr Mit: Han Nguyen, Samer Alkhabbaz und Rami Lazkani und Muna Abdi / Jakob Wagner – Gitarre / Phaedra Pisimisi – Tanz / Alexander Steindorf – Einrichtung und Sprecher / Interkultureller Guide: Matin Soofipour

Abend II – DER NÄCHSTE SCHRITT

am 19.11.2018 um 19 Uhr Abschluss-veranstaltung des 10. Düsseldorfer Lesefestes im Rahmen von Café Eden.

Nach dem ersten Kapitel über das Warten  geht’s an diesem Abend um den nächsten Schritt – über Grenzen, Türschwellen, zu Fremden hinüber, in die Freiheit oder in Gefangenschaft. Mit Musik, Tanz, Gedichten und Geschichten vom Losgehen, vom ersten schweren Schritt, vom Unterwegssein und vielleicht auch vom Ankommen nach schweren Wegen und Entscheidungen. Menschen mit und ohne Migrationshintergrund versuchen den alltäglichen und außergewöhnlichen Begebenheiten des nächsten Schrittes eine poetische Tiefe zu verleihen.

Mit: Amy Frega, Altan Yilmaz, Hanni Kayali / Muzaffer Gürenc (Balama) / Michael Hess (Tanz), Alexander Steindorf (Sprecher und Einrichtung) / Interkultureller Guide: Matin Soofipour

 

Deutschland. Ein Wintermärchen.

 Trailer

Deutschland. Ein Wintermärchen
– nach Heinrich Heine – Ein transkultureller Roadtrip durch die neue Heimat – Premiere am 5. November 2018 – In der Münsterstraße 446 – Bürgerbühne

Heinrich Heine gilt als einer der berühmtesten Migranten Deutschlands. Von Zensur und Anfeindungen seiner Zeitgenossen vertrieben, lebt er 13 Jahre in Paris, bevor ihn die Sehnsucht nach dem Vaterland zurück über die Grenze treibt. Im Winter 1844 reist er mit gemischten Gefühlen durch seine alte Heimat. In Köln führt er ein Zwiegespräch mit dem Rhein, im Teutoburger Wald heult er mit den Wölfen, in Hamburg verspeist er eine Gans mit seiner Mutter, die ihm beim Essen ständig die falschen Fragen stellt. Über 150 Jahre später begeben sich heutige Expert*innen in Sachen Heimatlosigkeit, Exilant*innen und Migrant*innen aus acht verschiedenen Herkunftsländern, auf die Reise durch Heines Gedankenräume. Sie entdecken dabei ungeahnte Sichtweisen auf Deutschland und Heines Vision eines Europas, das Nationalismus und Engstirnigkeit zu überwinden sucht. Sie begegnen der bissigen Ironie Heines mit spielerischem Witz und gewinnen dem Blick auf die »Heimat« neue Perspektiven ab. »Deutschland. Ein Wintermärchen« ist ein Abend über den Sehnsuchtsort »Vaterland«, Rostbratwürste und die Ankunft in Deutschland in einer längst vergangenen Zeit, als die Deutschen mit Blumen an ihren Grenzen standen.

Ein Projekt der Bürgerbühne am Düsseldorfer Schauspielhaus in Kooperation mit der Hedwig und Robert Samuel Stiftung und dem Zakk – Zentrum für Aktion und Kommunikation. Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und der LAG Soziokultur 

لَقَدْ كَانَ ذَلِكَ فِي شَهْرِ نوفمبر\تِشْرين الثَّانِي الحَزِينِ.

أَصْبَحَتْ الأَيَّامُ بَاهِتِةً. الرِّيَاحُ مَزَّقَتْ الأَوْرَاقَ مِنْ الأَشْجَار

خِلَالَ ذَلِكَ سِافِرتُ إِلَى أَلْمَانِيَا

در ماه غمگین نوامبر بود.با روزهای ابری اش.

و باد که برگها را از درختان می ربود.

و من که به آلمان باز میگشتم.

 
 
 

Im traurigen Monat November war’s,
die Tage wurden trüber,
der Wind riss von den Bäumen das Laub,
da reist ich nach Deutschland hinüber.

 

Mit Ava Azadeh, Atena Bijad, Amy Frega, Mortaza Husseini, Nawar Khadra, Rami Lazkani, Ulrich Linberg, Višnja Malešić, Prudence Mvemba Tsomo, Altan Ali Yilmaz
 
Konzept und Regie
Bühne und Kostüm
Musik
Konzept und Dramaturgie
Video
Licht
Michael Röther, Thomas Wildhagen
 

 

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

 

 

دم مرز، تپش هولناک قلب در سینه من و چشمان خیسم

وَعِنْدَمَا وَصَلْتُ إِلَى الحُدُودِ

شَعَرَتْ هُنَاكَ بِضَرْبَةٍ قَوِيَّةٍ فِي صَدْرِي.

أَعْتَقِدُ أَنَّ العُيُونَ أَيْضًا بَدَأْتْ تَذْرِفُ الدُّمُوعَ.

 

 

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

 

 

نان به اندازه کافی برای تمام ادمیان خواهد بود و همینطور گل رز، زیبایی و هیجان .

فِي هَذِهِ الدُّنْيَا

يَتَوَفَّرُ لِكُلِّ أَطْفَالِ البَشَرِ مَا يَكْفِي مِنْ الخُبْزِ

كَذَلِكَ الوُرُودُ وَالرَّيَاحِينُ, وَالجِمَالُ وَالبَهْجَةُ

وَالبَازِلَّاءُ لَيْسَتْ بِأَقَلِّ وَفَرَةٍ مِنْ ذَلِكَ.

 

Der Schafpelz, den ich umgehängt zuweilen, um mich zu wärmen, Glaubt mir’s, er brachte mich nie dahin, für das Glück der Schafe zu schwärmen.

 

پوست گوسفندی که من بر تن کردم. برای اینکه مرا گرم کند. باور کن، هرگز مرا به اینجا نرساند. که برای خوش آ مد گوسفندها قدمی بردارم

جِلْدُ الغَنَمِ, الَّذِي أَتَأَزَّرُ بِهِ

أَحْيَانًا, لِكَيْ أُدْفِئُ نَفْسِي.

صَدِّقُونِي, لَمْ يَأْخُذْنِي , قط,الَى هُنَاكَ

كِي أَسْهَرَعلى سَعَادَةُ الأَغْنَامِ.

 

 

Es ging mir äußerlich ziemlich gut, doch innerlich war ich beklommen, und die Beklemmnis täglich wuchs – ich hatte das Heimweh bekommen.

 
 

 

به من واقعن بد نمی گذشت. اما در درونم یک بغض نهفته بود. این بغض درونی هر روز بزرگ و بزرگتر میشد و من غم غربت رو احساس میکردم.

ظاهرياً كُنْتُ جَيّداً نوعاً ما

وَلَكنني كُنْتُ داخلياً مُنْقّبضاً

وكان الإنقباض يكبر يومياً

شَعّرْتُ بالحنين الى الوطن

 

Die deutsche Seele hat am Anfang nur ein Zimmer mit elf Quadratmetern, aber sie ist sich sicher, am richtigen Ort zu sein. Die deutsche Seele hat niemanden und nichts. Keinen Vater und keine Mutter und keinen Bruder und keine Schwester und keinen Freund und keine Frau. Die deutsche Seele ist frei. Sie vermisst nichts und niemanden. Aber sie findet den Weg nicht mehr.

Die deutsche Seele ist heute Morgen früh aufgewacht. Sie hat sich über den Gesang der Vögel gefreut. Und der Gesang der Vögel tut ihr gut. Die deutsche Seele ist eine Mutter. Sie zieht zwei Söhne alleine groß. Sie fragt sich, wie sie es schaffen soll durch die Welt zu kommen, allein. Als Frau. Sie ist ja immer noch ich, Die deutsche Seele, eine Mutter, aber auch eine Frau.

Wenn draußen in der Welt etwas passiert, hört die deutsche Seele auf, über sich selbst nachzudenken. Wenn in der Welt nichts passiert, grübelt sie über sich selbst. In ihrem Inneren prallen Welten aufeinander. Manchmal fühlt sie sich arm, an anderen Tagen reich. Ist genug für alle da? Wie viel ist „genug für alle“? Die deutsche Seele zweifelt. Sie schafft es nicht, für alle da zu sein. Sie liebt das Chaos nicht. Sie sehnt sich nach Körperkontakt. Sie ist nicht perfekt. Aber sie bemüht sich. Dann passiert draußen in der Welt etwas. Und sie hört auf, sie selbst zu sein.

Es war dunkelblau. Draußen der Himmel war dunkelblau, mit ein paar Wolken drin. So wie wenn es Nacht ist aber noch nicht ganz dunkel. Und als ich über die Grenze kam, habe ich zum ersten Mal gespürt, dass Menschen, die eine andere Sprache sprechen, eine andere Kultur haben, eine andere Identität haben, sich um mich kümmern. Ich zog eine Jacke an. Ich trug eine Jacke als ich über die deutsche Grenze kam. Eine grüne Jacke mit Adidasstreifen. Als ich an die Grenze kam, standen dort am Bahnhof Menschen, viele Menschen. Frauen, Kinder, Männer, sie hatten Blumen in der Hand und Kerzen, und sie applaudierten. Mir, uns. Der ganzen Gruppe, die ankam. Und als ich die deutsche Sprache vernahm, da ward mir seltsam zumute. Es war als ob das Herze mir recht angenehm verblute. Ich habe nichts gedacht, nur gefühlt. Mein großer Bruder sagte zieh dir eine Jacke an, wenn du nach Deutschland kommst. Es war dunkelblau und es war kalt. Ich fühlte ein Klopfen in meiner Brust. Diese Menschen klatschten und sagten: „Wir sind sehr glücklich, dass ihr auf dem Meer nicht gestorben seid.“ So reist ich nach Deutschland hinüber. Der blaue Himmel und die Dunkelheit und der Regen. An mehr erinnere ich mich nicht. Es war der 5. November 2015.

Ich habe mal eine Frau kennen gelernt, die hatte keine Wahl. Es war in meinem zweiten Jahr in Deutschland. Ich bin mit dem Zug nach Hamburg gefahren. Eine Frau fragte mich, ob der Platz neben mir noch frei ist. Sie war sehr alt und redete viel. (Es war … und redete viel – wiederholen auf Arabisch). Als wir den Bahnhof in Hannover verließen, erzählte sie mir, wie sie schon einmal von Dresden nach Hamburg gefahren ist. Mit ihrem Baby, was gerade ein paar Tage alt war. In einem sehr kalten Winter 1945. Die alte Frau erzählte, dass der ganze Bahnhof in Dresden voller Menschen war, die fliehen wollten. Sie saß im Bahnhof in Dresden und gab ihrem Baby die Brust. Es war kalt. Eine andere Frau ohne Mütze und Schal fragte, ob sie ihrem Kind auch die Brust geben würde. Es hätte zwei Tage nicht gegessen. Die Frau überlegte. Ein Gedanke, noch ein Gedanke, noch ein anderer Gedanke, Gedanken, Gedanken, Gedanken. Und dann sagte sie: „Nein. Ich kann nicht! Es tut mir leid, aber ich habe nur genug Milch für mein Kind.“ Als sie später in Hamburg ankam, sah sie die Frau ohne Mütze und Schal mit ihrem toten Kind auf dem Arm.

Ich war 35 Jahre alt. Ich dachte, dass Syrien bleibt wie es ist. Zu dieser Zeit habe ich viel über Mut nachgedacht. Und dann bin ich nach Deutschland gekommen. Das hat mein Denken für immer verändert. Früher habe ich gedacht, dass die Welt eine Wahrheit hat. Aber hier habe ich bemerkt, es kommt ganz auf den Blickwinkel an. Ich dachte es gäbe nur Schwarz und Weiß. Und jetzt gibt es plötzlich ein Grau. Für mich ist das ein anderer Teil dieser anderen Wahrheit, die ich bis heute nicht verstehe. Für mich die Menschen denken für die Familie, für kleine Gruppen. Also Deutschland ist für die Deutschen und Frankreich ist für die Franzosen. So denken die Menschen. Das ist normal. Das verstehe ich. Und, als ich über die Grenze kam, gab es plötzlich die anderen, die die sagten, wir können alle zusammenleben. Ihr könnt hier auch ein schönes Leben haben. Für mich ist das seltsam. Was die Menschen dort in angeblich Chemnitz denken, das ist für mich normal. Wieso sollte jemand wie ich, der aus einem anderen Land kommt, dort genauso Zuhause sein? Aber es gibt Menschen, die genau das denken. Dass die Welt für alle ist. Es ist nicht normal, das zu denken. Und wenn jemand das denkt, dann ist er etwas Besonderes.

 

 

 

“Mmmhhh, Kann man drüber streiten. Also über Heine. Gut, aber nicht einfach. Da blicken selbst die Deutschen nicht durch.”

 

“Wenn Du sagst: “Deutschland. Ein Wintermärchen“ – Ja, kenn ich: „Denk ich an Deutschland in der Nacht … Nee, kennste eben nicht. Da frag ich mich, wer das mehr braucht!”

 

“… – ich eiere einfach immer rum: erst Flüchtlinge – jetzt Geflüchtete, Menschen mit Fluchterfahrung, Migranten – klingt abwertend – erst multi-, dann inter- jetzt transkulturell …. jaja die lieben Deutschen – aber die meisten geben sich Mühe.”

 

“Mama, hallo. Wie geht es dir? Ich hatte einen Termin beim Amt. Ich kann dir ein Visum für zwei Wochen schicken. Damit kannst du mich endlich besuchen. Mama, ich bin glücklich.  Leider habe ich nur ein Visum für dich bekommen. Mein Bruder kann nicht mitkommen, aber er kann ja bei Papa bleiben.”

 

“Ich glaube, es gibt schon gute Volkslieder. Also alte deutsche Lieder. Ich meine eher diese konstruierte blonde deutsche Seele, in ihrer heilen Welt – immer einen sauberen Schlüpfer an. Und wehe jemand macht Dreck, dann brennt die Bude.”

 

“Stimmt. Jetzt, wo du es sagst. Es war das ABSOLUTE Jetzt-bin-ich-Zuhause-Gefühl. Das Zuhause meiner Kindheit. Ich habe mich gefragt: Wie fühlt sich diese Fahne eigentlich an? Und als ich an die Grenze kam, schien sie größer und breiter zu sein als alle anderen Fahnen die ich jemals an anderen Grenzen gesehen habe.”

 

 

“Wenn ich morgen zurückgehe, dann gehe ich in die Wüste. Weil, da bin ich einfach frei. Sie ist einfach da, die Freiheit. leise und ruhig. Es gibt nichts. Dort bin ich klar, wie weißes Papier, ganz klar.”

 

“Wenn ich morgen zurückginge, hätte ich immer Sehnsucht nach Deutschland.”